Geschichte
Die Geschichte von DMSO
Die Geschichte von DMSO beginnt nicht in der modernen Medizin, sondern im 19. Jahrhundert. Über viele Jahrzehnte galt Dimethylsulfoxid vor allem als chemisch interessantes Lösungsmittel. Erst später rückten seine biologischen Eigenschaften in den Mittelpunkt der Forschung.
Der Weg zur modernen Chemie
Bevor DMSO überhaupt beschrieben werden konnte, musste sich das Verständnis chemischer Verbindungen grundlegend entwickeln.
Eine der prägenden Persönlichkeiten dieser Zeit war der schwedische Chemiker Jöns Jacob Berzelius. Anfang des 19. Jahrhunderts trug er entscheidend zur systematischen Ordnung der Chemie bei und prägte die Entwicklung der organischen Chemie. Auch die bis heute verwendete chemische Schreibweise mit Buchstabensymbolen für Elemente geht wesentlich auf seine Arbeit zurück.
Seine Arbeiten schufen damit einen Teil des wissenschaftlichen Fundaments, auf dem Chemiker später organische Schwefelverbindungen genauer beschreiben und einordnen konnten.
1866 – die erste Synthese
Im Jahr 1866 synthetisierte der russische Chemiker Alexander Zaytsev erstmals Dimethylsulfoxid. Seine Ergebnisse wurden 1867 veröffentlicht.
Zu diesem Zeitpunkt war kaum abzusehen, welche Bedeutung die Verbindung später für Chemie, Biologie und medizinische Forschung entwickeln würde.
Vom Holz zur chemischen Forschung
DMSO ist eng mit der Holz- und Zellstoffindustrie verbunden. Dimethylsulfid fällt im Umfeld des Kraftverfahrens zur Zellstoffherstellung an und kann durch Oxidation zu DMSO umgesetzt werden.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde DMSO zunehmend wegen seiner außergewöhnlichen Eigenschaften als Lösungsmittel untersucht.
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1866
DMSO wird erstmals vom Chemiker Alexander Zaytsev synthetisiert.
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Holz & Zellstoff
Die industrielle Geschichte von DMSO ist eng mit der Zellstoffverarbeitung verbunden.
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1960er-Jahre
Die biologischen Eigenschaften von DMSO rücken in den Fokus der Forschung.
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Stanley W. Jacob.
Der Mediziner prägt die moderne Erforschung von DMSO entscheidend.
Die 1960er-Jahre – DMSO wird biologisch interessant
Der entscheidende Wendepunkt kam Anfang der 1960er-Jahre.
Der Chirurg und Transplantationsforscher Dr. Stanley W. Jacob beschäftigte sich mit DMSO im Zusammenhang mit der Konservierung von Organen. Dabei rückten die besonderen biologischen Eigenschaften der Verbindung in seinen Fokus.
Vor allem die Fähigkeit von DMSO, die Haut und biologische Membranen zu durchdringen, weckte großes wissenschaftliches Interesse.
Eine Zeit intensiver Forschung
Das Interesse an DMSO nahm in den folgenden Jahren stark zu. Forscher untersuchten die Verbindung unter anderem im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen, Schmerzen, Gewebereaktionen und dem Transport anderer Substanzen durch biologische Membranen.
DMSO entwickelte sich von einem bekannten Lösungsmittel zu einer intensiv untersuchten biologisch aktiven Verbindung.
Forschung, Euphorie und Kontroversen
Die Geschichte von DMSO verlief jedoch nicht geradlinig.
In den 1960er-Jahren traf großes medizinisches Interesse auf offene Fragen zur Sicherheit. Beobachtungen an Tieraugen führten zu erheblichen regulatorischen Bedenken und zeitweise zu starken Einschränkungen klinischer Untersuchungen in den USA. Spätere Bewertungen und die weitere Forschung differenzierten dieses Bild.
DMSO blieb dadurch über Jahrzehnte eine wissenschaftlich wie gesellschaftlich kontrovers diskutierte Verbindung.
DMSO heute
Heute ist DMSO aus Forschung und Medizin nicht verschwunden. Es wird als Lösungsmittel in Laboren eingesetzt, spielt eine wichtige Rolle in der Kryobiologie und besitzt dokumentierte medizinische Anwendungen.
Gleichzeitig werden seine biologischen Eigenschaften weiterhin wissenschaftlich untersucht.
Eine außergewöhnliche Geschichte
Von einer im 19. Jahrhundert synthetisierten Schwefelverbindung über die Holz- und Zellstoffindustrie bis zur biologischen und medizinischen Forschung:
Die Geschichte von DMSO zeigt, wie sich die Bedeutung eines Stoffes durch wissenschaftliche Beobachtung grundlegend verändern kann.
Was zunächst als außergewöhnliches Lösungsmittel auffiel, entwickelte sich zu einer Verbindung, deren biologische Eigenschaften bis heute Aufmerksamkeit und Forschung auf sich ziehen.